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Schreiben heißt scheitern

Wer mit dem Schreiben eines Textes beginnt, sollte sich zunächst einmal die Frage beantworten: Welche Aufgabe soll der Text erfüllen? Soll er informieren, unterhalten oder appellieren? Wer ist das Publikum und wie kann es angesprochen werden?

Die meisten Texte transportieren zudem eine Kernbotschaft. In Fach- und Sachtexten ist das bspw. eine Ausgangsthese oder eine Forschungsfrage, die mithilfe von Argumenten belegt bzw. beantwortet werden soll. Ich bezeichne diesen argumentativen Höhepunkt als Textmitte, denn um ihn herum muss der Text gestaltet werden.

schreiben und scheitern

Nicht immer steht die Textmitte von Anfang an fest. Da der Schreibprozess nicht linear verläuft, sondern zirkulär, in Schleifen und mit Unterbrechungen, kann sich der Fokus des Textes verschieben. Nicht jeder Gedanke, den die Autor_innen verfolgen, ist für die Thematik zielführend. Er ist vlt. interessant und beleuchtet einen spannenden thematischen Aspekt. Wenn er jedoch zu viel Gewicht bekommt und sich der Mittelpunkt der Argumentation plötzlich verlagert, lohnt es sich herauszufinden, ob der Mittelpunkt des Textes vorher falsch gesetzt war oder aber der „rote Faden“ abhanden gekommen ist.

Schreiben ist immer eine kleine Seelenschau: Es geht um das Denken und Fühlen der Autor_innen und darum, sich konsequent selbst zu bewerten. Insofern bildet Schreiben den Charakter. Es erfordert Ausdauer, Willenskraft und die Fähigkeit, Scheitern zuzulassen.

Übers Scheitern

Scheitern ist ein Gefühl, das zum Schreiben dazugehört. Nicht jeder Satz klingt nach Kafka und die losen Gedanken im Kopf sind widerspenstig, wollen sich nicht in die feste Form des geschriebenen Wortes zwingen lassen.

Schreiben ist der Kampf mit sich selbst, mit seinem Kopf um die Gedanken und Wörter, die es zu sagen gilt.

Geschriebenes hat ein Verfallsdatum. Es ist vlt. nur noch heute frisch und neu und ansehnlich. Morgen oder in zwei Wochen, wenn die Autor_innen ihren Text erneut lesen und bewerten, müssen ganze Textabschnitte restauriert, Überschriften umgeschrieben und neue Absätze eingefügt werden. Die Kunst des Scheiterns beim Schreiben besteht nun darin, sich nicht entmutigen zu lassen.

Der Schreibprozess ist dynamisch und deshalb liegt im Scheitern auch die viel zitierte Chance. Ein Text ist nie verloren, manchmal muss er lediglich neu bewertet, neu justiert, neu besprochen werden. Und wie so oft im Leben lässt sich genau das lernen. Dazu ist es hilfreich, andere Menschen seine Texte lesen zu lassen.

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