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Bioethikdiskurs der Human Enhancement Technologies

Die Ethik des Machbaren

Disability Mainstreaming, Verkörperungen in der Politik oder der Bioethikdiskurs in den Human Enhancement Technologies waren nur drei der Themen, die bei der Tagung mit dem Titel “Intersektional + Interdisziplinär. Dis/Ability und Gender im Fokus” zur Sprache kamen. Organisiert von Urte Helduser, Sarah Karim und Anne Waldschmidt, fanden sich zahlreiche Referent_innen im Neuen Senatssaal der Universität zu Köln ein, um zu diskutieren. Trotz Hitze gab es spannende Diskussionen und erhellende Momente. Den brütenden Kopf konnten wir dank des wunderbaren Caterings mit kalten Getränken kühlen.

Bioethikdiskurs

Bioethikdiskurs und Transhumanismus

Aufwühlend war der Vortrag von Simon Ledder, der sein Dissertationsprojekt vorstellte. Er beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, ob Gender, Class, Race oder Dis/Ability als interdependente Kategorien im Diskurs der Human Enhancement Technologies (HET) zu finden sind. Unter dem Begriff Human Enhancement Technologies sind zum Beispiel genetische Veränderungen, technologische Eingriffe zur ‘Verbesserung’ der sensorischen Wahrnehmung oder sonstige körperliche Leistungssteigerungen zu verstehen. Im daran angeschlossenen Bioethikdiskurs gebe es beispielsweise Denkansätze der Transhumanen. Zwei markante Denkansätze finden sich dort: Für biokonservative Vertreter_innen seien biotechnologische Eingriffe nicht statthaft, während die Bioliberalen sie als zulässig bewerten. 

Die Menschheitsentwicklung vollziehe sich vom “human” über das “transhuman” zum “posthuman” Subjekt.

Human Enhancement Technologies als emanzipatorische Praxis?

Gleich zu Beginn seines Vortrags weist Ledder auf die exklurierende Wirkung von Kategorienbildung hin und macht deutlich, dass Dis/Ability als kulturelle Konstruktion gelesen werden müsse. Die HET würden nicht nur die Funktionsfähigkeit oder das Leistungsvermögen von Subjekten klassifizieren, sondern zugleich definieren, was als a_normal zu gelten habe. Das führe wiederum zur Pathologisierung von Subjekten und ihren Körper. Behinderung werde als Leiden definiert, welches es zu überwinden gilt.

Für Transsexuelle beispielsweise bedeute die Möglichkeit der Körpertransformation also einen Akt der Befreiung. “Damit einher geht die Annahme, dass eine Trans-Person selbstverständlich Veränderungen an ihrem Körper durchführen wolle (was eben nicht immer gegeben ist).” Letztlich zeigt sich, dass die Bioethiker_innen der HET das binäre Denken nicht überwinden können oder wollen.

2 Kommentare

  1. Hallo Katrin,
    vielen Dank für Deine Berichterstattung. Als der hier wiedergegebene Referent möchte ich nur kurz Etwas richtigstellen; offensichtlich habe ich das unverständlich vorgetragen. Ich habe vor allem dargestellt, was im Bioethik-Diskurs behauptet wird.

    1. So werden die Bezeichungen “biokonservaitv” und “bioliberal” eher von Transhumanist_Innen verwendet.
    2. Die Darstellung von HET als emanzipierende Technologie für Trans*-Personen wird von HET-Befürworter_Innen ins Feld geführt. Damit einher geht die Annahme, dass eine Trans*-Person selbstverständlich Veränderungen an ihrem Körper durchführen wolle (was eben nicht immer gegeben ist). Damit können diese HET-Befürworter_Innen rhetorisch sehr gut an andere Diskurse von sich emanzipatorisch verstehenden Gruppen anschließen; ohne dabei das stark individualistische Moment der HET aufzugeben.

    Liebe Grüße
    Simon

    • Lieber Simon,

      vielen Dank für Deine Hinweise! Ich habe versucht, sie direkt im Text umzusetzen und hoffe, es ist mir geglückt.

      Grüße
      Katrin

      PS: Und du hattest übrigens recht. Ich hätte mir besser mal den Vortrag von Katharina Hoppe anhören sollen. Beim nächsten Mal. 😉

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