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Nachts im Museum König in Bonn

Im Zoologischen Forschungsmuseum Alexander König in Bonn (kurz: Museum König) durfte ich einen Blick hinter die Kulissen werfen und in der historischen Präparate-Sammlung gemeinsam mit anderen Schaulustigen die mehr oder weniger kunstvoll ausgestopften Tiere bestaunen.

Das Museum beherbergt neben Wirbeltieren (Fische, Vögel, Säugetiere, Amphibien und Reptilien) auch Arthropoda, die sogenannten Gliederfüßer (Spinnen, Käfer, Schmetterlinge oder Tausendfüßer). Die Ornithologische Sammlung umfasst allein 145.000 Präparate. Von den Käfern lagern rund 2,5 Millionen Exemplare in Schränken und Regalen.

Historische Ornithologische Sammlung im Museum König © Katrin Herbon
Kiwi im Museum König © Katrin Herbon

Von Bälgen und anderen Präparaten

Zur historischen Sammlung von Vogelpräparaten haben die Besucher_innen normalerweise keinen Zutritt. Sie wurde gegründet, weil Alexander König ein besonderes Faible für diese Tiere hatte. Zu unterscheiden sind die Standpräparate von den Bälgen. Das Wort Balg hieß ursprünglich “die abgestreifte haut” und genauer:

»alle thierhäute, die abgestreift, zum unterschied von denen die aufgeschnitten und abgezogen werden, heiszen balg: hasenbalg, fuchsbalg, luchsbalg, wolfsbalg, marderbalg, zobelbalg, iltisbalg; aber bärenhaut, pferdehaut, ochsenhaut, eselshaut, schafhaut« (Online-Lexikon der Brüder Grimm).

Ein Balg ist ein Präparat, das überwiegend zu wissenschaftlichen Zwecken angefertigt wird. Messungen der Flügellänge lassen sich an ihnen leichter vornehmen als bei Standpräparaten. Ein guter Präparator achtet bei der Herstellung darauf, dem Exemplar eine natürliche Körperhaltung zu geben und die Farbe des Glases für die Augen passend auszuwählen. Die Nachbildung von Füßen und Schnabel zeugen ebenfalls vom Sachverstand des ›Künstlers‹.

Farbexplosion im Museum König

Fälschlicherweise wird der Begriff des Ausstopfens von Tieren verwendet. Tatsächlich werden die Tiere jedoch nicht ›gestopft‹, sondern ausgenommen, ›auf links gedreht‹, mit speziellen Chemikalien behandelt und anschließend über einen vorgefertigten Körper gestülpt. Dadurch erhalten sie ihr natürliches Aussehen und halten die Form.

Die ältesten Präparate können bis zu 400 Jahre alt werden. Vor allem Käfer eignen sich für die Präparation besonders gut. Ihre schillernden Farben sind ähnlich beeindruckend wie die der Schmetterlinge.

Käferpräparate im Museum König © Katrin Herbon
Schmetterlingspräparate im Museum König © Katrin Herbon
Schmetterlingspräparate im Museum König © Katrin Herbon

Die Superlative der Vogelwelt

Nach der Besichtigung der Ornithologischen Sammlung setzten wir unseren Rundgang durch die Dauerausstellung fort. Auf Superlative legen nicht nur Marketingleute großen Wert, auch in der Tierwelt spielen sie eine große Rolle. So stellt das Museum den kleinsten neben den größten Vogel, das kleinste neben das größte Vogelei und das beeindruckt in der Tat:

Während das kleinste Ei circa 2 Zentimeter misst, kommt das größte Ei (einer bereits ausgestorbenen Vogelart) auf stolze 30 Zentimeter. Damit ist es ungefähr dreimal so groß wie ein Straußenei und würde 36 Erwachsene sättigen.

Kolibri versus Riesenvogel Museum König
Kolibri versus Riesenvogel Museum König © Katrin Herbon

Sieh ihn dich an, Maurice! Er ist so süß!

Noch eine Anekdote zum Schluss: Lemuren, diese kleinen Primaten aus Madagaskar, lieben es, Tausendfüßer zu ärgern. Diese sondern nämlich ein Sekret ab, das Feinde abschrecken soll. Die Lemuren aber reiben sich damit das Fell ein. Auf diese Weise schützen sie sich wiederum vor lästigen Insekten. Um ihrem Image gerecht zu werden, nutzen die Lemuren das Sekret der Tausendfüßer zusätzlich als Droge:

Vorsichtig knabbern sie an den aufgeregten Tausendfüßern, schlucken das Sekret und erleben dann für ein paar Minuten einen Rauschzustand.

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