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Verkörperungen in der Politik

Gender und Dis/Ability im Fokus

Disability Mainstreaming, Verkörperungen in der Politik oder der Bioethikdiskurs in den Human Enhancement Technologies waren nur drei der Themen, die bei der Tagung mit dem Titel »Intersektional + Interdisziplinär. Dis/Ability und Gender im Fokus« zur Sprache kamen. Organisiert von Urte Helduser, Sarah Karim und Anne Waldschmidt, fanden sich zahlreiche Referent_innen im Neuen Senatssaal der Universität zu Köln ein, um zu diskutieren. Trotz der Hitze gab es spannende Diskussionen und erhellende Momente. Den brütenden Kopf konnten wir dank des wunderbaren Caterings mit kalten Getränken kühlen.

verkörperungen
© Katrin Herbon

Ästhetiken des Politischen

Seit meinem Studium bin ich ein wenig verliebt in Judith Butlers Gedankengebäude. Eine Frau hat mir selbiges vor Jahren nähergebracht: Paula-Irene Villa. Sie hat wunderbare Einführungen in die teilweise sperrigen Texte von Butler verfasst, wofür ich ihr noch heute dankbar bin. ;) Auf der Tagung hatte ich nun erstmals die Gelegenheit, Frau Villa live zu hören. Sie ist Professorin an der Universität München und hat den Lehrstuhl Soziologie/Gender Studies inne. In ihrem Vortrag beschäftigte sie sich mit den Verkörperungen in der Politik am Beispiel der Ehefrauen US-amerikanischer Präsidenten. Sie sagte Sätze wie:

Im Kulturkampf ist der Körper das Schlachtfeld.

Es lasse sich eine Ästhetik des Politischen beobachten. Körper würden inszeniert und instrumentalisiert, um Unterschiede von Race, Class oder Gender entweder sicht- oder unsichtbar zu machen. Körper sind dabei nicht nur Projektionsfläche, sondern werden selbst zum Medium. Sie sind das Produkt diskursiver Praktiken, werden von der Öffentlichkeit konsumiert und von mehr oder weniger differenzsensiblen Subjekten gelesen.

Verkörperungen in der Politik

Die Positionierung im Raum finde aufgrund somatischer Praktiken statt. So zeige sich die Bedeutung visueller Aneignungspraktiken gerade in der Politik. Villa expliziert am Beispiel von Michel Obama, welche Möglichkeiten des Doing Difference es gebe. Auf der einen Seite sei eine mimetische Angleichung zu beobachten, etwa das Glätten des Haars. Auf der anderen Seite könne aber auch mit den rassistischen Vorurteilen gespielt werden. Getreu dem Motto:

Wer ich bin, ist was du siehst.

Michel Obama als Schwarze Frau im Weißen Haus müsse noch immer mit dem Stigma leben, das besagt: Schwarze Frauen haben stets zu viel – zu viel Wut, zu viel Sex, zu viel Körperlichkeit. Sie verkörpern den Exzess und müssten lernen, das ›richtige‹ Maß zu halten. Mediale Inszenierungen im Feld der Politik oder der Popkultur seien deshalb darauf ausgelegt, diese Chiffren für das eigene Empowerment zu nutzen.

So weit, so gut! Dass Körper sozial konstruierte Positionen besetzen, ist nicht neu. Das Konzept der Performativität wurde bereits auf viele Kategorien übertragen. Schade, dass Villa es verpasst hat, einen Bezug zur Dis/Ability herzustellen. Hoffentlich erweitert sich ihr differenzversierter Blick bald auch auf dieses Forschungsgebiet.

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